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Berliner Politkabarettist Gerd Hoffmann zu Gast im Amtsrichterhaus
|  | | Links oder rechts - Hoffmann verteilte Seitenhiebe an alle politischen Parteien | (ea) Schwarzenbek - Quirlig und mit der zu erwartenden Berliner Schnauze trat der Karottenkopf im schwarzen Anzug vor das Grüppchen im Amtsrichterhaus. Gerd Hoffmann, der seit 1997 auf Tournee geht und fast jedes Jahr ein neues Solo-Kabarettprogramm herausbringt, genügte auch eine kleine Schar, um in den unerlässlichen Dialog mit dem Publikum zu treten. Munter plaudernd mit dem Finger in der Wunde spannte er einen großen Bogen von der aktuellen Wirtschaftskrise über die „charismatische Regierungsmannschaft“ bis hin zur Gesundheitsreform.
Als Herr Lehmann („von den Lehman Brothers“) pries der mimisch, gestisch und intellektuell agile Künstler zunächst ein Aktienpaket an, zu dem niemand nein sagen könne. Allerdings habe er „von Hedgefonds und den ganzen anderen Fonds keine Ahnung – genau wie Peer Steinbrück“, bekannte der Protagonist. Kompliziertheiten nicht zu verstehen und sich trotzdem darüber Gedanken zu machen – das war die Masche, mit der Gerd Hoffmann sein Programm aufzog. Er wollte „es ja nur mal gesagt haben ...“ Die wie mit einem harmonisierenden Zaubermäntelchen durch die Welt fliegende Regierungschefin Angela Merkel kriegte ihr Fett genauso ab wie die Opposition und die „charismatische Regierungsmannschaft“, u. a. bestehend aus der „Leyen-Predigerin“ (Familienministerin von der Leyen), den „Rächern der Noch-nicht-Angegriffenen“ (Verteidigungsminister Jung und Innenminister Schäuble) oder Wirtschaftsminister Glos – „sieht so der Aufschwung aus?“
 | | Gesundheitsreform, 9. Stufe: der Doktor am Telefon ... | | Spritzig galoppierte der 49-Jährige von der Finanzkrise zur Innenpolitik, streifte die Dienstleistungen von Bahn und Post, überbrachte mit zynischen Anmerkungen die neuesten Nachrichten aus der Parteienlandschaft, rühmte die volksnahe Politik der Regierung Merkel („nah am Geld des Volkes“), zitierte die dümmsten Fragen aus dem Einbürgerungstest und wunderte sich darüber, wie schnell zufrieden wir als Bürger doch mit allem sind, was über uns entschieden wird – „dabei sind die Bundestagsabgeordneten eigentlich unsere Angestellten.“ Die Regierungsbildung in Hessen war natürlich auch ein Thema – klar, dass Hoffmanns Rechenmodelle (unter Einbeziehung der Nichtwähler) zwar ganz unterschiedliche, aber auf jeden Fall sehr schnelle Ergebnisse erbracht hätten. Der Gesundheitsreform widmete der Spötter ein eigenes Kapitel mit Ausblick auf die 7. Stufe eines 9. Abschnittes (Selbstoperation nach Telefonkontakt), hübsch garniert mit Bundeswehr-Auslandseinsätzen, dem für alles passenden Drohstandard (Arbeitsplatzverlust) und erstaunlichen Ökobilanzen von Kuh und Kleinwagen.
|  | | Gerd Hoffmann: „Wir haben keine goldenen Zeiten für Kabarettisten“ | Ein feines kleines Programm, überzeugend rübergebracht von einem quirligen Profi, der sein Handwerk bestens versteht. Ein guter Griff, wie auch Stiftungs-präsident Volker Pollehn bei der Begrüßung und Verabschiedung betonte. Mit der Zuschauerzahl konnte er zwar nicht zufrieden sein – doch immerhin hatte auch er sichtlich Spaß am Programm.
Noch drei Veranstaltungen bietet die Stiftung in diesem Jahr an – hier eine kurze Übersicht:
18.11. „Die Achtundsechziger – Legende und historischer Befund“ – Abendvortrag mit dem Historiker Prof. Dr. Eckardt Opitz (Hamburg), Eintritt 5,- Euro
26.11. „Zeitzeuge Rechtsmedizin: ... und Tote reden doch“ – Lesung mit Diavortrag von Rechtsmediziner Prof. Dr. Volkmar Schneider (Berlin), Eintritt 5,- Euro
5.12. „Die Geister, die ich rief ...“ – schaurig-schöner Balladenabend mit Elmar Nettekoven (Mölln), Eintritt 10,- Euro
(Fotos: Albrecht)
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