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Nobelpreisträger Grass las vor über 100 Besuchern im „Brinkhuus“
Liebeserklärung an Behlendorf

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Günter Grass.

(gh) Behlendorf - Er würde dieser Gemeinde viel verdanken, den Alltag, hier nach seinem oft hektischen Prominen­tenleben in aller Welt, genießen. Den Garten, die Natur überhaupt auch die Bodenständigkeit seiner Nachbarn. Sehr offen und unkompliziert plauderte Grass während und nach der Lesung. Geduldig signierte er Bücher und war auch bei einem Glas Rotwein zu einem Schwätzchen aufgelegt.

Er las aus seinen bemer­kens­werten, ja oft brisanten Tagebüchern: Als vor zwanzig Jahren die DDR ihre Grenzen öffnete, war Grass viel unterwegs in der „Ex“-DDR; er erkundete die Stimmung unter den Menschen und beteiligte sich rege an den politischen Debatten. Seine vielfältigen Eindrücke hielt er in einem Tagebuch fest. Darin sind Episoden von Auftritten in Bitterfeld oder Berlin ebenso beschrieben, wie persönliche Befind­lich­keiten aus seinem familiären Umfeld. Es muss eine aufregende und anstrengende Zeit für ihn gewesen sein. „Anker“ warf er zwischendurch immer mal wieder im Behlendorfer Alltag. Als sein persönlicher Beitrag zum Jubeltag liegt jetzt eine gedruckte Fassung vor: „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland, Tagebuch 1990.“

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Günter Grass und Dorit Ehler vor über 100 Besuchern im Brinkhuus.

Im zweiten Teil seiner Lesung, die er wie stets, stehend am Rednerpult mit intensiver Gestik und Mimik absolvierte, schenkte er dem Publikum seine genüsslich vorgetragenen „Aquadichte“: Lyrik aus dem Buch „Fundsachen für Nichtleser“. Kurze Gedichte, treffend wie Haikus formuliert und mit feinen Aquarellen umrahmt, gehören sie zu den besonderen Bonbons, die der große Schriftsteller seinem Publikum mit leichter Hand bieten konnte.

Neben seinem Beruf oder besser der Berufung als Schriftsteller sei er ja auch noch seit 1999 mit einem anstrengenden Zweitberuf ausgestattet, so Grass mit einem Lächeln. Der Beruf „Nobelpreisträger“ fordere ihn sehr und deshalb sei Behlendorf mit kreativer Einsamkeit Voraussetzung für weitere Arbeiten und Pläne. Am nahen Elbe-Lübeck-Kanal fand er vor über 20 Jahren sein Domizil. Hier entstanden viele seiner berühmten Bücher, seine Bilder und Skulpturen.

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Freute sich für den Verein über zwei Grass-Aquarelle: Dorit Ehler

Herzlich, so wie es unter guten Nachbarn üblich ist, dankte Dorit Ehler vom gastgebenden Verein „Brinkhuus“ Grass mit „Behlendorfer Schätzen“: Sie übereichte Marmelade, Quittenbrot, Försters Honig, Äpfel und selbstgezogene Kerzen in einem Körbchen zum Pilzesammeln. Grass schenkte dem Verein Brinkhuus Behlendorf e.V. zwei großformatige Aquarelle, die sofort ihren Platz fanden und wunderbar in die naturnahe Umgebung passen: Es sind großformatige Baum-Aquarelle aus Behlendorf und Dänemark.

(Fotos: Gerkens-Harmann)

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